Fristenkalender für den landwirtschaftlichen Betrieb
Alle Fristen für Landwirte von Oktober 2026 bis Dezember 2027: Agrardiesel, Stromsteuer, Sperrfristen, Stichtagsmeldungen, Pauschalierung, Sammelantrag, Berufsgenossenschaft und Grundsteuer.
Das Wichtigste in Kürze
- Die teuersten Fehler im Betriebsbüro sind versäumte Fristen, nicht falsche Angaben.
- Der Sammelantrag am 15. Mai und die Düngeunterlagen bis 31. März sind die beiden großen Blöcke.
- Agrardiesel und Stromsteuer laufen im Herbst und zum Jahresende, werden aber oft vergessen.
- Die genauen Termine legt jedes Bundesland eigenständig fest und ändert sie regelmäßig.
Warum ein Fristenplan mehr bringt als ein guter Vorsatz
Fast jede Kürzung, die wir bei neuen Kunden in alten Bescheiden finden, geht auf eine versäumte oder knapp gerissene Frist zurück. Inhaltlich war der Antrag in Ordnung, er kam nur zu spät.
Das liegt selten an Nachlässigkeit. Die Termine verteilen sich über das ganze Jahr, hängen an unterschiedlichen Behörden und fallen ausgerechnet dann an, wenn draußen die meiste Arbeit ist. Wer sie im Kopf behalten will, verliert früher oder später eine.
Ein schriftlicher Fristenplan mit Vorlauf löst das Problem. Nicht der Termin selbst gehört in den Kalender, sondern der Zeitpunkt, an dem die Vorbereitung beginnen muss.
Die Termine von Oktober 2026 bis Dezember 2027
Die bundesweit einheitlichen Fristen auf einen Blick. Zu den meisten gibt es einen eigenen Beitrag mit Rechtsgrundlage und Details.
| Termin | Frist |
|---|---|
| 1. Oktober 2026 | Letzter Tag der Herbstdüngung auf Ackerland, nur zu Zwischenfrucht, Winterraps, Feldfutter und Wintergerste (Sperrfristen) |
| 1. November 2026 | Beginn der Sperrfrist auf Grünland und mehrjährigem Feldfutter |
| 15. November 2026 | Grundsteuer, vierte Quartalsrate; Mindesttätigkeit auf Brachen, wenn sie 2026 fällig ist |
| 1. Dezember 2026 | Beginn der Sperrfrist für Festmist, Kompost und phosphathaltige Düngemittel |
| 31. Dezember 2026 | Agrardieselvergütung und Stromsteuerentlastung für den Verbrauch 2025 |
| 10. Januar 2027 | Wechsel von der Umsatzsteuer-Pauschalierung zur Regelbesteuerung erklären |
| 14. Januar 2027 | Antibiotika-Mitteilung für das zweite Halbjahr 2026 |
| 15. Januar 2027 | Stichtagsmeldung Schweine, Schafe und Ziegen an HIT; Vorschuss an die Berufsgenossenschaft; Ende der Sperrfrist für Festmist und Kompost |
| 20. / 31. Januar 2027 | Bestandsmeldung an die Tierseuchenkasse in Bayern bzw. Nordrhein-Westfalen (andere Länder: eigene Satzung) |
| 31. Januar 2027 | Ende der Sperrfristen auf Acker- und Grünland; in NRW Meldung Wirtschaftsdünger für das zweite Halbjahr 2026 |
| 15. Februar 2027 | Grundsteuer, erste Quartalsrate |
| 31. März 2027 | Nährstoffsumme 2026 und Meldung von Wirtschaftsdünger aus anderen Ländern; Änderungsanzeige zur Grundsteuer |
| 1. April 2027 | Beginn des Mäh- und Mulchverbots auf Brachen bis 15. August |
| 15. Mai 2027 (Samstag) | Sammelantrag 2027, keine Verschiebung auf Montag; Grundsteuer, zweite Rate |
| 31. Mai 2027 | Letzter Tag für einen verspäteten Sammelantrag mit Kürzung |
| 30. Juni 2027 | Nachbauerklärung und Nachbaugebühren an die STV; in NRW Grundanträge für neue Agrarumweltmaßnahmen |
| 31. Juli 2027 | In NRW Meldung Wirtschaftsdünger für das erste Halbjahr 2027 |
| 15. August 2027 | Grundsteuer, dritte Rate; letzter Tag des Mulchverbots auf Brachen |
| 15. September 2027 | Restbeitrag zur Berufsgenossenschaft |
| 30. September 2027 | Letzte Änderungen und Rücknahmen im Sammelantrag 2027, etwa nach Hinweisen aus dem Flächenmonitoring; Antrag auf jährliche Grundsteuerzahlung für 2028 |
| 31. Dezember 2027 | Agrardieselvergütung und Stromsteuerentlastung für den Verbrauch 2026 |
Grundsteuer: Fälligkeiten nach § 28 GrStG, Gemeinden können Kleinbeträge abweichend zusammenfassen. Änderungen an Flächen oder Gebäuden sind bis 31. März des Folgejahres anzuzeigen (§ 228 BewG bzw. Landesrecht).
Januar bis März: Meldungen und Abrechnung des Vorjahres
Das erste Quartal gehört der Aufarbeitung des abgelaufenen Jahres. Hier laufen mehrere Meldungen zusammen, die alle auf Daten des Vorjahres zugreifen.
- Stichtagsmeldung des Tierbestands an HIT bis 15. Januar und an die Tierseuchenkasse nach Landesrecht
- Antibiotika-Mitteilung nach Tierarzneimittelgesetz bis 14. Januar
- Vorschuss an die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft zum 15. Januar
- Betriebliche Gesamtsumme des Nährstoffeinsatzes für das abgelaufene Düngejahr bis 31. März
- Meldung von Wirtschaftsdünger aus anderen Bundesländern bis 31. März, in NRW halbjährlich bis 31. Januar und 31. Juli
Februar bis April: Vorbereitung der Düngesaison
Vor der ersten Düngemaßnahme muss die Düngebedarfsermittlung vorliegen. Das ist keine Formalie, sondern die Voraussetzung dafür, überhaupt düngen zu dürfen.
Wer die Bodenproben erst im Februar zieht, wartet auf Laborergebnisse, während die Vegetation startet. Die Beprobung gehört deshalb ins Vorjahr oder in den Januar.
Parallel enden die Sperrfristen für die Ausbringung: für Festmist und Kompost am 15. Januar, auf Acker- und Grünland am 31. Januar.
Mai: Der Sammelantrag
Der Sammelantrag ist der wichtigste Termin des Jahres. Er entscheidet über Direktzahlungen, Öko-Regelungen und Agrarumweltmaßnahmen und ist bundesweit bis zum 15. Mai einzureichen, auch wenn der Tag wie 2027 auf einen Samstag fällt.
Bis 31. Mai nimmt die Behörde einen verspäteten Antrag noch an und kürzt die Direktzahlungen um 1 % je Kalendertag. Danach ist die Zahlung für das Jahr verloren.
Der Flächenabgleich gehört nicht in die letzte Woche. Wer Pachtwechsel, Zu- und Abgänge sauber führt, hat im Mai kaum noch Arbeit.
Juli bis September: Halbzeit
Die Antibiotika-Meldung zum 14. Juli entfällt ab 2027: Nach der Änderung des Tierarzneimittelgesetzes wird dann nur noch einmal im Jahr gemeldet.
In Nordrhein-Westfalen ist bis 31. Juli die Wirtschaftsdüngermeldung für das erste Halbjahr fällig, am 15. September der Restbeitrag zur Berufsgenossenschaft.
Der Sommer ist zugleich der richtige Zeitpunkt, die Lieferscheine für den Agrardieselantrag des Vorjahres zusammenzuführen – nicht weil die Frist drängt, sondern weil im Herbst und Winter andere Anträge liegen.
Oktober bis Dezember: Jahresabschluss, Agrardiesel und Stromsteuer
Im Herbst beginnen die Sperrfristen für die Düngung erneut: auf Ackerland nach der Ernte der letzten Hauptfrucht, mit Ausnahmen bis 1. Oktober, auf Grünland am 1. November, für Festmist und Kompost am 1. Dezember.
Bis zum 31. Dezember muss der Antrag auf Agrardieselvergütung für das Vorjahr beim Hauptzollamt eingegangen sein. Diese Frist ist eine Ausschlussfrist. Wird sie versäumt, gibt es keine Nachholung und keine Härtefallregelung.
Zum Jahresende läuft ebenfalls die Frist für den Antrag auf Entlastung von der Stromsteuer für das Vorjahr. Diese Entlastung ist vielen Betrieben gar nicht bekannt und bleibt deshalb regelmäßig liegen.
Wer zur Regelbesteuerung wechseln will, muss das bis 10. Januar erklären. Die Entscheidung gehört deshalb in den Dezember.
Wer im Dezember zusätzlich den Fristenplan für das kommende Jahr aufstellt, startet im Januar ohne Rückstand.
Laufende Pflichten ohne festen Termin
Neben den Jahresterminen gibt es Pflichten, die unmittelbar nach dem Ereignis greifen. Sie werden bei Kontrollen besonders häufig beanstandet, weil sie im Alltag untergehen.
- Aufzeichnung jeder Düngemaßnahme zeitnah nach der Ausbringung, üblicherweise binnen zwei Tagen
- Dokumentation jeder Pflanzenschutzanwendung mit Mittel, Menge, Fläche und Anwender
- Meldung von Tierbewegungen an die HIT-Datenbank binnen sieben Tagen
- Mitteilung beitragsrelevanter Änderungen an die Berufsgenossenschaft binnen vier Wochen
- Eintragung in das Bestandsregister bei jedem Zu- und Abgang
Häufige Fragen
Welche Frist wird am häufigsten versäumt?
Nach unserer Erfahrung die Agrardieselvergütung und die Stromsteuerentlastung. Beide bringen echtes Geld, laufen aber außerhalb der bekannten Antragszeiten und geraten deshalb in Vergessenheit.
Gelten diese Termine in allen Bundesländern gleich?
Nein. Bundesrecht gibt den Rahmen vor, die konkreten Termine und Portale legen die Länder fest. Wir prüfen für Ihren Betrieb, welche Fristen tatsächlich gelten.
Ab wann brauche ich die Biozid-Sachkunde für Rattengift?
Die Übergangsfrist wurde verlängert: Bis 28. Juli 2030 dürfen Landwirte und Gärtner Rodentizide im eigenen Betrieb ohne zusätzliche Biozid-Sachkunde anwenden. Danach ist sie Pflicht, sofern es bis dahin keine Vereinfachung für Pflanzenschutz-Sachkundige gibt.
Was passiert, wenn ich eine Frist verpasst habe?
Das hängt von der Frist ab. Bei manchen Anträgen sind verspätete Einreichungen mit Abzügen möglich, bei anderen ist der Anspruch endgültig weg. Melden Sie sich, sobald Sie es merken. Je früher, desto mehr lässt sich retten.
Die genannten Termine und Anforderungen gelten als Regelfall und können sich je nach Bundesland und Jahr unterscheiden. Für Ihren Betrieb prüfen wir die verbindlichen Vorgaben im Einzelfall. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
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